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Technik aus Breitenfelde säubert das Wasser in Kuwait

Ein kleines Unternehmen aus dem Lauenburgischen hat in Kuwaits Wüste ein Riesenprojekt gebaut: eine Kläranlage für sämtliche Industrieabwässer des Landes.

Der 1. Juni 2010 war ein ganz besonderer Tag in der Geschichte der Firma TIA GmbH aus Breitenfelde – aber auch für den Wüstenstaat Kuwait*. Der stellvertretende Ministerpräsident war da und hat gleich sechs Minister mitgebracht, die deutsche Botschaft auch, Fernsehteams und Zeitungen berichteten groß. 200 geladene Gäste feierten mit den hochrangigen Politikern und TIA-Chef Norbert Müller-Blanke die Einweihung einer einzigartigen großen Kläranlage. Nach zwölf Monaten Bauzeit können in der acht Millionen Euro teuren Anlage, 30 Kilometer von Kuwait City entfernt, jetzt die Abwässer von 150 Industriebetrieben geklärt werden – 7500 Kubikmeter pro Tag. Ein Riesenfortschritt für das Land, denn bisher wurden die teilweise hochbelasteten Abwässer einfach von Tankwagen in der Wüste verklappt. „Und der tolle Doppeleffekt: Am Ende kann das gereinigte, keimfreie Wasser in der Landwirtschaft zur Bewässerung verwendet werden“, erklärt Martina Blanke, Marketing-Leiterin und Frau des Firmenchefs.

Die Konzeption des Wüstenprojektes entstand am Ortsrand von Breitenfelde (Kreis Herzogtum Lauenburg) in den Räumen der TIA Technologien zur Industrie-Abwasser-Behandlung GmbH. 1987 hatte Norbert Müller-Blanke die kleine Firma gegründet. Mit zunehmendem Umweltbewusstsein wurde damals auch die Frage immer wichtiger, wie Abwässer, die bei industrieller Produktion anfallen, am besten gereinigt werden können. Zahlreiche Betriebe mussten in Kläranlagen investieren. Heute hat die TIA, die schlüsselfertige Kläranlagen liefert, 16 Mitarbeiter. Zu ihren Kunden gehören die Lübecker Firma Brüggen und Coca Cola in Mölln, aber auch Kommunen.

„Bei einem Auftrag laufen hier in Breitenfelde alle Fäden zusammen. Wir machen hier alles, von der ersten Beratung bis hin zum Endprodukt“, erklärt Martina Blanke. Behälter oder Spezialteile lässt die TIA anfertigen oder kauft sie zu. „Dadurch sind wir sehr flexibel.“ Projekte im Ausland machen inzwischen 50 Prozent des Umsatzes aus, TIAha bereits Anlagen in 20 Ländern aufgebaut – unter anderem in europäischen Nachbarländern, aber auch in Ghana, Mauritius, Taiwan, Malaysia, Iran und vielen arabischen Ländern. Für Projekte im Ausland werden in Breitenfelde die Container mit der kompletten Anlage fertig gepackt – so dass sie dann nur noch montiert werden muss. „Wir arbeiten immer mit Partnern vor Ort zusammen“, so Blanke, „so können wir den Aufbau und die Inbetriebnahme gemeinsam organisieren.“

Durch seine jahrelange Geschäftserfahrung in dieser Region hat der TIA-Chef gute Kontakte in den arabischen Raum. Vor 18 Monaten wurde Norbert-Müller-Blanke gebeten, ein erstes Gespräch mit Regierungsvertretern in Kuwait zu führen. Die Kuwaitis wollten die unhaltbare Praxis, dass die Industrieabwässer ungeklärt in die Wüste gekippt werden, möglichst rasch beenden. Sie entschlossen sich, eine zentrale Kläranlage in der Wüste zu bauen, zu der Tankwagen sämtliche Abwässer der Unternehmen hinbringen. Im ersten Halbjahr 2009 machte die TIA ihr Konzept und erstellte ein Angebot – und machte damit das Rennen. „Wir haben uns riesig gefreut über diesen Auftrag“, erzählt Martina Blanke. „Große internationale Konsortien interessierten sich auch für das Projekt.

Wir haben uns am Ende gegen vier ernsthafte Konkurrenten durchgesetzt.“Und so schickten die TIA-Mitarbeiter im vergangenen Sommer und Herbst 15 große Container auf die Reise nach Kuwait – auf dem Seeweg über Hamburg und Rotterdam. Jetzt läuft die Anlage in Kuwait. Damit sich alles reibungslos einspielt, bleibt Projektmanager Alexander Paselk ein Jahr lang dort und lernt seine kuwaitischen Kollegen an. Wenn Paselk nach Breitenfelde zurückkehrt, übernehmen sie.

 

Quelle im Internet: www.ln-online.de
vom 20.06.2010 00:00
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